Die rittermäßige Familie Kröpelin im Lande Werle und die Patrizierfamilie Kröpelin in Rostock [und Wismar]
Under Benutzung von Aufzeichnungen des weil. cand. theol. Rönnberg, mitgeteilt von Pastor Schreiber. Ausgabe kane.benkestokk.teiste forlag (Tore Hermundsson Vigerust), Oslo 30.07 2002 (revidert 06.04 2003).
Gedruckt in einer Mecklenburger (oder Rostrocker) Zeitung um etwa 1930 (nach 1922, aber bestimmt früher als Herbst 1933). Gefunden von Tore H Vigerust 25.07 2002 in Archiv der Hansestadt Rostock, 1.1.22.148 (das heist Bestandsignatur 1.1.22 (Familienakten), Aktensignatur 148 (unter andere Kröpelin)), Seite 397.
Über der adelige Hans Kröpelin in Båhuslen in Norwegen 1415-1418 (heute in Schweden), und die Patrizierfamilie in Bergen in Norwegen um 1700-1800.


Am Werleschen Hofe spielte im Mittelalter die rittermäßige Familie von Kröpelin keine unbedeutende Rolle. Ihren Namen führte sie von dem Dorfe Kröpelin, wie die alten Adelsfamilien sich vielfach nach dem Orte nannten, in dem sie ihre Besitzungen hatten. Somit wird das Dorf Kröpelin das erste im Wendenlande erworbene Lehn der Familie gewesen sein. Möglich ist es, daß die Kröpeliner das Dorf entweder ganz oder teilweise vom Kloster Doberan zu Lehn erhalten hatten. Das Kloster übte seit seiner Neugründung vielfach die Praxis, daß es, wohl um ein tüchtiges Heer bereit zu haben, und die Wiederkehr einer so schriecklichen Zeit, wie die vom 10. November 1179 war, zu verhindern, seine Güter oder Teile von ihnen an Ritter zu Lehn fortgab. So hatte Heinrich Preen einen Teil von Brusow, Ritter Gerhard von Schnakenburg das ganze Dorf Nienhagen und das halbe Dorf Steinbeck zu Lehn. Auch Wittenbeck bei Brunshaubten ist entweder ganz oder teilweise zu Lehn ausgetan gewesen. Zu einer Urkunde vom 6. Juli 1307 wird ein armiger Conradus de Wittenbecke genannt (Mecklenburgisches Urkundenbuch [MUB] Nr. 3171), und in der Wittenbecker Kühlung gibt es einen Schloßberg, an den sich eine merkwürdige Sage knüpft.

Freilich ist es nicht ausgeschlossen, daß die Familie den Ort Kröpelin erst vom Landesherrn zu Lehn erhielt, nachdem es aus dem Besitz des Klosters gekommen war, was schon vor 1219 geschehen sein muß. Lange aber wohnte die Familie Kröpelin nicht in dem Orte. Schon vor 1229 wandte sie sich in das Werlesche. Denn am 27. April 1229 treffen wir Wilhelm von Kröpelin in Güstrow* unter den Zeugen, die bei der Bestätigung des Dom-Kollegiatstiftes daselbst durch den Bischof Brunward anwesend waren (MUB 368), und am 30. Dezember 1232 begegnet uns der Ritter Johann von Kröpelin als Burgmann von Güstrow (MUB 410). Ersterer zog später in das Land Usedom in Vorpommern, wo wir ihn 1241 im Gefolge des Herzogs Barnim I. wieder finden (Dreger: Codex Pomeraniae. Dipl. 137), und wo er das Dorf Vassin zu Lehn hatte, das er 1256 gegen das Dorf Krakow im Lande Gützow an das Kloster Grobe (Usedom) vertauschte (Vorpommersches Urkundenbuch Nr. 631). Er wird 1256 zum ersten Male Ritter genannt und war Stifter der pommerschen Linie seines Geschlechts. Der Ritter Johann aber ist der Stifter der Werleschen Linie, die später in der Herrschaft Mecklenburg verzweigte. Diese Familie besaß die Priemermühle bei Güstrow, hatte Besitz in Groß Ridsenow, Groß Methling und Kowalz, veräußerte diesen Besitz jedoch schon früh, teils an die Kirche zu Wokern, teils an das Kloster Dargun (MUB 1167, 2913, 3776, 6153). Am 4. Juni 1337 bestätigte Fürst Albrecht von Mecklenburg dem Kloster Dargun den Besitz von 11 von den Brüdern Kröpelin in Groß-Metheling gekauften Hufen.

Die Familie führte als Wappen einen quer geteilten oben schraffierten oder gegitterten, unten mit Panken belegten Schild. Wann sie ausgestorben ist, ist nicht sicher bekannt. Um 1426 kommen im Werleschen noch zwei Cröpelin vor (Lisch: Urkunden des Geschlecht Maltzan II, 574).

Ueber den Wohnort der Familie auf Kröpeliner Gebiet finden wir vielleicht Aufschluß, wenn wir bedenken daß die Hufe des gegen 1322 zu Kröpelin verstorbene Hermann Bolkower, die noch jetzt seinen Name trägt, auffallenderweise nicht zu Stadtrecht, sondern wo sein sonstiger Besitz in Kröpelin zu Lehnrecht lag. Wahrscheinlich war der Besitz des Hermann Balkower einst das alte Lehn der Familie Kröpelin. Wohnte diese Familie einst nach Art der Ritter in einer Burg zu Kröpelin, so kann diese nur auf der gegen 82 Meter hohen Bolkower Hufe, die zur Anlage einer Burg wie geschaffen erscheint, gelegen haben.

Wie die rittermäßige Familie Kröpelin, so führte auch die längst erloschene reiche und angesehene Patrizierfamilie Kröpelin in Rostock inhren Namen von dem Dorfe Kröpelin. Wir kennen zum Beispiel den Ratmann Arnold Kröpelin in Rostock** Ein anderer gleichen Names war Bürgermeister und 1371 Abgesandter Rostocks beim Hansetag in Lübeck (MUB 10577, 10248, 10267 usw.). Auch diese Familie muß also ursprünglich ihren Wohnsitz in Kröpelin gehabt haben. Vergleicht man die Wappen beider, so sind sie von einander verschieden, denn die Patrizierfamilie führte als Wappen entweder einen quergeteilten Schild, dessen untere Hälfte mit Schuppen bedecht, dessen obere Hälfte mit Lilien gefüllt war; auch auf dem Helm befand sich eine Lilie (so bei dem Wappen der Ratsherren Johann und Lambrecht Kröpelin, siehe Mecklenburgische Jahrbuch 1, 196), oder sie hatte einen quergeteilten Schild, der unten, wie es scheint, vier aufgerichtete Löffel, oben zwei Lilien zeigt (Ratsherr Konrad Kröpelin MUB 5454).

Beide Familien waren also wohl nicht stammverwandt. Es waren demnach zu Kröpelin die rittermäßige Familie auf dem Rittersitz und eine andere durch Ansehen hervorragende bürgerliche Familie gleichen Namens ansässig.

Als erstes bekanntes Glied der Patrizierfamilie in Rostock erscheint 1265 der Ratmann Heinrich Kröpelin (MUB 1041), und nach ihm finden wir zwei Jahrhunderte lang fast zu allen Zeiten Mitglieder dieser Familie im Rate. Der Ratmann Lambrecht Kröpelin, der 1496 starb, war der letzte seines Geschlechts in Rostock. Nach seinem Tode zog die Landesherrschaft die zahlreichen Landgüter, die die Familie im Laufe des 14. Jahrhunderts erworben hatte, als heimgefallene Lehen ein.

Lambrecht Kröpelin war ein erfahrener und reicher Mann, der viele Häuser in Rostock besaß. Eins dieser Häuser war die "Regentin zu Arensburg"* am Hopfenmarck, das seine Wittwe im Jahre 1500 verkaufte.

Auch in Güstrow (MUB 10263, 10577), Wismar (MUB 10202, 10206, 10218 usw.) Und in Lübeck lebten angesehene Glieder der Familie Kröpelin (MUB 10267). In Rostock erinnert noch heute der Name "Kröpelinerstraße" an dies Patriziergeschlecht, das sich dort einst hohen Ansehens erfreuen durfte.


*Güstrow, 40 km südlich von Rostock. **Ende des 14. Jahrhundert. *Regentiae = Studentenheim.